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MundArt

“Ihr müßt aanstännisch schwäddsen, keine saarländische Mundart!”

war ein oft gehörter Satz in meiner Grundschulzeit. Und “aanstännisch schwädsen” bedeutete Hochdeutsch sprechen.

Bei „grenzübergreifender Kommunikation“ ist es zweifelsfrei wichtig, hochdeutsch zu sprechen. Welcher Friese oder Bayer könnte mit meinem muttersprachlichen , moselfränkischen Imperativ „Lou emoo loo hin! („Schau mal dort hin!“) etwas anfangen?
Also spreche ich „auswärts“ hochdeutsch. Awaa eben nedd dehämm!

Hochdeutsch wird zwar überall verstanden, hat aber keine Heimat.
Mundarten haben eine! Wir leben in ihnen, in unseren Mundart-Muttersprachen.

Und eines haben unsere LehrerInnen bei ihren Erziehungsbemühungen denn doch übersehen:: Es existiert ja überhaupt keine „Saarländische Mundart“.


Im Südwestzipfel der Bundesrepublik werden mehrere Mundarten gesprochen!
 

Erst seit 1957 gibt es das kleinste, aber aller-allerfeinste der deutschen Bundesländer. Eine einheitliche Sprache konnte sich innerhalb der politischen Grenzziehungen nicht entwickeln. Dem ständigen politischen Wechsel  –riwwa unn niwwa – sind die Sprachgrenzen nicht gefolgt. „Saarländisch“ ist ein geografischer -, kein sprachwissenschaftlicher Begriff.
Dort wo früher der preußische Adler seine Flügel über der Landkarte ausbreitete do schwädsen mia moselfrängisch und in dem Teil des Saarlandes, wo einst der bayrische Löwe brüllte – ei, do schwädsd ma rheinfrängisch.
Daneben existieren allemannische Sprachinseln, wie etwa in Ensheim.
Watt – was is, erkennen Sie am „t“ und am „s

.Watt dau nedd saaschd... – und - Was de nedd saaschd...
Datt es en Mädchin.
- und - Das is e Määde.
Datt glaawschde awwa
!- und – Das glaabdsche awwa!

Moselfränkisch-rheinfränkische Sprachgrenze

Das Saarland wird von der moselfränkisch-rheinfränkischen Sprachgrenze durchteilt. Sie verläuft diagonal durchs Land: Von Überherrn (im Süd-Westen) über Riegelsberg, Illingen, St.Wendel hoch nach Freisen (im Nord-Osten).
Moselfränkisch wird links dieser Linie gesprochen, also auch in Frankreich / Lothringen, in Teilen Belgiens, in Luxemburg und in Deutschland hinauf bis Köln.
Übrigens: Im „Ländchin“ (Luxemburg) ist das moselfränkische Lëtzebuergesch sogar Amtssprache (neben französisch und Deutsch).Ein Sprachengesetz von 1984 machte Letzebuergesch zur dritten Amtssprache.

Dehämm is dehämm!

Der Verlauf der Sprachgrenze konnte früher in den Gemeinden und Dörfern bis in einzelne Straßenzüge exakt festgelegt werden. Es gab -vor allem in den Bezeichnungen für bäuerliche Gerätschaften- zahlreiche Wörter und Ausdrücke, die im nur 10km entfernten Nachbarort schon nicht mehr verstanden wurden. Heute kann die Trennungslinie nicht mehr so scharf gezogen werden. Die Mobilität der Menschen, das tägliche Pendeln zu entfernt gelegenen Arbeitsplätzen und das Zusammenarbeiten mit Menschen aus anderen Teilen des Landes führte zu einer gewissen „Melange der Mundart(en)“. Wörter und Redewendungen haben sich angeglichen. Sprache ist eben etwas lebendiges, ist veränderlich.


Ei, joo!
 


“Schwädse muss ma mit de Leit”
 

Typisch im Südwestzipfel ist der Gebrauch der (Hilfs-)Verben „haben“ und „sein“
und „geben“ und „werden“.
Ich bin erkältet heißt: Ich hann die Fregg. Mir ist kalt heißt: “Ich hann kald!”

Hören ?.-  Klicken!

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Für werden benutzt der Südwestzipfler geben.

Er wird also nicht - er gebbd.... Chef fier’s Ganze, wenn er sei Schul hinna sich hat. Unn wenn nedd, dann gebb ich fareggd..
(wörtlich: “Und wenn nicht dann gebe ich...”)
Verrückt, gell!?

Die Menschen im Südwestzipfel nehmen auch nicht, sie hollen!

Ett Doris holld Tabledde, weil de Harald kää Rücksicht uff sei Migräne hollt.

Oder:

Mei Frau duhd abholle, eisch duhn zuholle, unn Dau maanschd meich wohl off de Arm holle, hä?!
Es nimmt kein Ende! - .Ett holld kää Änn!

Merke also:
Nehmen ist Holen und Holen ist Nehmen! - Nur auf der Straße nicht! Da übernehmen wir nicht, nää...doo duhn auch mia ganz normal RECHTS überholle...

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Sehr gerne benutzt der Südwest-Zipfler auch die Möglichkeitsform, den Konjunktiv.
Dem Naturell des Saarländers kommt der Konjunktiv sehr entgegen. Denn ...

“Mia leeje uns halt emoo nedd so gäär  feschd...

Die Möglichkeitsform bildet der Südwest- zipfler mit dem Hilfsverb “dääde”.
Der saarländische Generalkonjunktiv lautet beim Einkauf beispielsweise:

”Hann duun ma’s nedd. Awwa krieje kännd sinn, das ma’s dääde...“

Allez dann...

"Glück Auf!“

 unn

"MAHLZEIT!"


„Mia wisse, was gudd is!“
 

(Saar-Margarine-Werbespruch aus den 50ern)

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Mit Aufnahme seiner Tätigkeit beim Saarländischen Rundfunk (1983) übernahm Manfred Spoo die Sendung „Frohes Wochenende“. Jeden Samstag präsentierte er In zwei Radiostunden dem interessierten Publikum Neues von Mundartschaffenden aus dem Saarland, dem angrenzenden Lothringen, Luxemburg (jeweils Moselfränkisch) und Rheinland-Pfalz (Rheinfränkisch).
Neben Autorenportraits und Mundartlesungen bot sich Liedermachern ein Forum. Unterhaltsame Mundartglossen, -hörspiele und -serien rundeten das Programmangebot sehr zur Freude einer großen Hörerschaft ab.
Denn hier offenbarte sich sehr eindrücklich, dass Mundart keineswegs museal wirken muss. Spoos Sendungen  wurden für eine neue Generation von Autoren, Liedermachern und Comedians zum „Sprungbrett in die breite Öffentlichkeit“. Für viele KollegenInnen wurde er bei Comedy- und Kabarett- produktionen als Producer und kompetenter Mentor tätig. Als Autor und Regisseur produzierte er auch zahlreiche eigene Sketche, Kurzhörspiele und die sa(ar)tirische Trilogie „Lockruf der Fremde“, „Lockruf der Heimat“ und „Lockruf der Liebe“.

Das Projekt „Mundart-Werkstatt“ wurde (1990)von der ausgewiesenen Mundart-expertin Dr. Edith Braun angeregt. Damit hielt die intensive und ernsthafte Beschäftigung mit den saarländischen Mundarten (neun Jahre lang - bis 1999!) Einzug ins Radioprogramm. Jedermann konnte sich per Telefon direkt in den Sendungen beteiligen und „mitschwädse“. Heute spricht man da wohl von „Phone-Ins“… na ja, damals waren es jedenfalls spannende und oftmals überraschende Radiomomente.

Anfangs bearbeitete die „Mundartwerkstatt“ “Necknamen der Saar und drumherum”.
Als zweites Projekt sammelten Dr. Edith Braun und Manfred Spoo Mundartliches zu „Essen und Trinken”. Unter dem Motto „Gudd gesaad“ wurden schließlich allgemeine Mundartsprüche und Redensarten gesammelt und gefunden...

Ergänzend zu den Radiosendungen gingen Braun und Spoo zu den Menschen „vor Ort“. Sie sammelten in “Mundart-Treffs“ (insgesamt 50 Veranstaltungen !) weitere Begriffe, Geschichten und Anekdoten.
Aus dieser Arbeit entstanden die Bücher: “Necknamen der Saar und drumherum”, 1991, “Hasenbrot und Gänsewein, 1995, “Gudd gesaad”, 1996, und“Gudd gesaad”-Teil II, 2000.
Die “Mundartwerkstatt” und die Sendung „Frohes Wochende“ hat der Saarländische Rundfunk inzwischen eingestellt.

Manfred Spoo bringt nach mehr als 20 Jahren intensiver Beschäftigung mit Land und Leuten seinen Erfahrungsschatz aber nach wie vor „unner’s Volk”:

Mit seinen Bühnenprogrammen

Saar-Kabarettist Spoo spielt augen- zwinkernd mit den Befindlichkeiten, Stärken und allzu menschlichen Schwächen der “Südwest-Zipfler”. Und er weiß, genau wovon er redet. Er ist ja selbst ein in der Wolle gefärbter Saarländer.

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